Glau­be, Lie­be, Hoff­nung, Mut

von Mareile Mevihsen

Glau­be, Lie­be, Hoff­nung, Mut

von Mareile Mevihsen

Ich gehe aus. Zumin­dest fühlt es sich so an — aus dem Fami­li­en­mo­dus her­aus. Sab­ber­frei­es Out­fit, gutes Make-up, Rouge zur Fei­er des Tages. “Schön dass du mal raus kommst” sagt der Mann. Und ich muss schmun­zeln. Sonn­tag­abend ist Jugend­kir­chen-Zeit. Ich fah­re nach Kre­feld, um mit den Kol­le­gen das fünf­jäh­ri­ge Jubi­lä­um der Jugend­kir­che Kre­feld zu fei­ern. Bevor es los geht habe ich schon fünf Umar­mun­gen und drei Small-Talks geschafft. Ein biss­chen ist das wie nach Hau­se kom­men. Unheim­lich für ein Arbeits­set­ting.

Im Got­tes­dienst sind Glau­be, Lie­be, Hoff­nung zen­tral. Und ich ganz bei mir. Die Jugend­li­chen schaf­fen es, dass ich mich als Teil des Gan­zen füh­le (pas­sen­der­wei­se Titel des Abend­ge­be­tes). Laut­hals gröh­le ich die ein­schlä­gi­gen Songs mit. Las­se mich ein, las­se mich berüh­ren. Ein paar Mal schlu­cke ich Trä­nen der Rüh­rung hin­un­ter. Ich sit­ze zwi­schen Frem­den. Und doch unter Freun­den.

Beim Aus­klang danach fol­gen mehr Umar­mun­gen. Und mehr Gesprä­che. Kein Small-Talk dies­mal, son­dern Tief­gang. Weil wir alle etwas gespürt haben an die­sem Abend. Fast möch­te ich es Got­tes­ge­gen­wär­tig­keit nen­nen. Bin mir aber nicht sicher, ob ich mutig genug bin das so zu schrei­ben.

Denn neben Glau­be, Lie­be und Hoff­nung wird mir ein ande­res Wort für die­sen Abend in Erin­ne­rung blei­ben: Mut. Da ist die­ses Gespräch mit jeman­dem, den ich kaum ken­ne. Wir wis­sen über und von ein­an­der, ein paar freund­li­che Wor­te, mehr nicht. An die­sem Abend ist sie mutig, sie lässt mich teil­ha­ben an ihrem Leben, ihrer Geschich­te. Und wir reden und reden und plötz­lich ist sie mir ganz nah. Eigent­lich ken­ne ich dich schon lan­ge, den­ke ich. Denn ich lese zwi­schen dei­nen Zei­len so wie du zwi­schen mei­nen. Mutig fin­det sie mich, sagt sie. Dabei ist sie die­je­ni­ge, die mir zwi­schen Unmen­gen von Men­schen gera­de ein Stück von sich schenkt. Die mich beein­druckt und tief bewegt.

Eine hal­be Stun­de spä­ter. Rich­tig, da ist noch die­ser ande­re Mensch. Einer der ich-weiß-nicht-was ist. Ein Bekann­ter? Zeit­ver­treib? Ein mal-Freund-wer­der? Einer jeden­falls, den ich nicht grei­fen kann. Der mich zwei­feln lässt an mir, an mei­nem Gefühl für Men­schen. Mut, erin­ne­re ich mich, was heißt also Mut? Ich set­ze alles auf eine Kar­te. Bin scho­nungs­los ehr­lich, inves­tie­re, spre­che aus was ich den­ke. Mehr kann ich nicht tun. Nur war­ten, ob das wirk­lich mutig war oder ein­fach nur naiv. Zwei­te­res macht mir Angst.

Das ist näm­lich lei­der die Sache mit dem Mut. In den sel­tens­ten Fäl­len fühlt er sich gut an im Moment des Tuns. Es ist mehr so wie das “Nichts geht mehr” am Rou­lette- Tisch. Weil mutig sein nicht nur heißt, sich für etwas ein­zu­set­zen oder eine Ent­schei­dung zu tref­fen, son­dern auch, sich ver­letz­lich und angreif­bar zu machen und mit Kon­se­quen­zen leben zu müs­sen. Aber wer nur auf das schaut, was er zu ver­lie­ren hat, der wird nie eine Chan­ce haben, den Reich­tum einer muti­gen Ent­schei­dung zu ern­ten. Der Ent­schei­dung für einen Beruf, eine Fami­lie, ein Aben­teu­er, eine Welt­rei­se. Teil­ha­ben am ehr­li­chen Lachen oder ehr­li­chen Trä­nen eines Gegen­übers. Für heil­sa­me Wahr­hei­ten und wahr­haf­ti­ges Mensch wer­den. Für das Enga­ge­ment für ande­re. Für Glau­ben ohne zu wis­sen. Für ein Wort, einen Hän­de­druck, eine Umar­mung, einen Kuss, von dem wir wis­sen, dass sich damit alles ändern wird.

Glau­be, Lie­be, Hoff­nung… Mut. In Got­tes Gegen­wart wird das mög­lich.