Auf­er­ste­hung 2.0

von Matthias Fritz

Auf­er­ste­hung 2.0

von Matthias Fritz

Die Gra­bes­kir­che ist für mich der Ort, an dem ich die meis­ten Pro­ble­me habe die bibli­sche Geschich­te ins Heu­te zu über­set­zen. Nichts erin­nert an das, wie ich mir die­ses Grab und auch den Fels Gol­ga­ta vor­ge­stellt habe. Bei­de sind umbaut, ver­baut, bebaut. Bei­de sind durch die Kon­fes­sio­nen und die Geschich­te ver­stellt, umstellt und auch „ent­stellt“. Schon im Vor­hof zur Gra­bes­kir­che wuseln so vie­le Men­schen umher, dass ich kei­ne Ruhe fin­den kann. Jedes Mal wer­de ich hier zum Beob­ach­ter. Und ich sehe Men­schen, die ganz anders reagie­ren. Sie gehen auf Berüh­rung mit den Stei­nen. Sie küs­sen, sie berüh­ren, sie füh­len sie, sie tau­chen ein. Man­che ver­sin­ken im Gebet. Für mich bleibt alles auf Distanz. Mir fällt es schwer mich dar­auf ein­zu­las­sen.

Ich habe es die­ses Mal wie­der ver­sucht. Ich bin auch in die Grab­kam­mer ein­ge­taucht und habe die Grab­plat­te berührt. Aber es berührt mich nicht. Ich kann mir vor­stel­len, dass Jesus hier gele­gen hat. Aber es bringt mich der Auf­er­ste­hung nicht näher.

Der Stein ist kalt und glatt. Was mich mit Leben, Freu­de, Ver­wun­de­rung und Bewun­de­rung erfüllt ist der Gedan­ke, dass hier Men­schen ergrif­fen gebe­tet haben. So wie die drei rus­si­schen Pil­ger neben mir in der Grab­kam­mer. Ich freue mich für sie. Aber für mich weiß ich, dass ich die Auf­er­ste­hung suchen möch­te. In mei­nem Leben und im Leben mit den Men­schen dort drau­ßen.

Auf­er­ste­hung scheint mir durch, wenn ich „Hoff­nung und Freu­de, Trau­er und Angst“ mit Men­schen tei­le. Da scheint für mich ewi­ges Leben durch. Die Zukunft eines ande­ren Lebens, das nicht an mei­nem jet­zi­gen Leben vor­bei­zieht. So über­set­ze ich für mich Auf­er­ste­hung. Auf­er­ste­hung 2.0