Scou­te dich

von Mareile Mevihsen

Scou­te dich

von Mareile Mevihsen

Der Höhe­punkt des Band-Auf­tritts ist “Afri­ca” von Toto. Die Men­ge ras­tet aus. Sams­tag­abend, Pfad­fin­der­zelt­platz, Jubi­lä­um. Mein Stamm wird 85 Jah­re. Die Par­ty ist der Ham­mer.

Pfad­fin­der bin ich eigent­lich damals nur gewor­den, weil mei­ne Schwes­ter dabei war und mei­ne ers­te Grup­pen­lei­te­rin wur­de. Als Tee­nie hab ich dann auf­ge­hört, ande­res wur­de span­nen­der. Mit 18 haben sie mich dann wie­der ein­ge­kauft und ich tauch­te ein in etwas, dass mein Leben posi­tiv mehr prä­gen soll­te als alles zuvor. Vor ein paar Tagen saß ich mit einem Bekann­ten zusam­men, der sag­te, dass man schwer­lich Außen­ste­hen­den erklä­ren kön­ne, wie das sei, mit die­sem Hob­by, das eben kei­nes ist son­dern viel mehr. Ich ver­suchs hier mal:

Nach eini­gen Jah­ren im Stamm, mit vie­len neu­en Freund­schaf­ten, einer roman­ti­schen Lie­be und einer sich ste­tig stei­gern­den Insek­ten­pho­bie zog es mich durch die Lei­ter­aus­bil­dung auf die Diö­ze­sa­ne­be­ne. Ein Lern­feld uner­schöpf­li­cher Mög­lich­kei­ten. Plötz­lich fühl­te ich mich zum ers­ten Mal in mei­nem Leben am rich­ti­gen Platz, wur­de ich ange­nom­men in mei­ner gan­zen Per­son, mit all dem Guten in mir, dass mir sel­ber nicht bewusst war. Ich begann eine Per­sön­lich­keit zu wer­den. Mein Herz schlug grün und es schlug laut. Und es fehlt mir, nicht mehr dort aktiv zu sein, es fehlt mir wahn­sin­nig.

Ich weiß nicht, ob man so etwas im Sport­ver­ein auch erle­ben kann, viel­leicht, wenn man Glück hat, da wo Team­geist mehr ist als Sie­gen. Pfad­fin­der sein ist nichts, aus dem man aus­tre­ten kann, wenn es in dir steckt. Es ist eine Auf­fas­sung vom Leben, ein Ein­satz für das Gute, geprägt von dem Glau­ben an eine bes­se­re Welt. Es ver­bin­det dich mit Men­schen, die dir fremd sind und es schafft Nähe, bevor du weißt, dass sie da ist.

Sie ist ja viel belä­chelt, unse­re Spi­ri­tua­li­tät. Den From­men manch­mal zu naiv, zu ein­fach. Den Zweif­lern zu ehr­lich und zu boden­stän­dig. Und genau­so ein­fach ist es viel­leicht auch. Ver­pflich­tung gegen­über Gott, sich selbst und ande­ren, heißt das in unse­ren Wor­ten.

Und genau­so ein­fach kann das sein, wie ges­tern, als alle gemein­sam zum Sound der Band tanz­ten. Als wir einen Kreis bil­de­ten und laut­hals mitgröhl­ten, 3 – 4 Gene­ra­tio­nen Pfad­fin­der zwi­schen 15 – 60 so grob geschätzt. Arm in Arm beim letz­ten Lied. In mei­nem Arm mei­ne Schwes­ter. Nie war ich ihr näher. Hier­für schlägt unser Herz gemein­sam.

Irgend­wann ist es Nacht. Es ist lei­ser gewor­den. Wir sit­zen ums Feu­er. Wir sin­gen. Neu­es und Altes. Lie­der die Jahr­zehn­te und Gene­ra­tio­nen über­dau­ern. Jeg­li­ches Zeit­ge­fühl ver­rinnt unterm Ster­nen­him­mel. Das bin ich, flüs­tert es plötz­lich in mir. Das ist mei­ne Hei­mat. Hier ist mein Ich-bin-da-für-dich. Wo immer ein Feu­er brennt und wir aus der­sel­ben Hoff­nung her­aus zusam­men kom­men, die­se Welt ein biss­chen bes­ser zu hin­ter­las­sen als wir sie vor­ge­fun­den haben. Zu spü­ren dass da soviel mehr ist unter der Wei­te des Nacht­him­mels.

Das ist bestimmt nicht super fromm. Und manch einer unter uns wür­de das nie Gott nen­nen. Aber ich bin mir ziem­lich ziem­lich sicher, dass ich Gott nie näher war, als dort mit euch am Feu­er. Wenn wir zusam­men kom­men um das Leben zu fei­ern. Immer und immer und immer wie­der.